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Längs durch Italien: Vom Gotthard zum Ätna - das sind zwölf traumhafte Etappen Richtung Süden. Thomas Cook´s Reisemagazin zeigt Italien, wo es am Italienischsten ist - und wie es viele kaum kennen. Denn auch große Namen bergen dutzende kleine Geheimnisse im Sehnsuchtsland der Deutschen.

Etwas ist mit einem Mal anders. Machen der weiche Wind, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen oder der Himmel für Tenöre Generationen von Italienfahrern so selig stumm?

Der Gotthardtunnel ist passiert. Das Land der Kyklopen, der einäugigen Riesen der Mythologie, riesigen Kulturbesitzes und unübertroffener Lebenskunst tut sich auf. Wasserzungen lecken Oberitaliens Seenlandschaft. Die Campagna zelebriert Romantikmomente. Der Süden knetet den Rosenkranz. Wer das klassische unter Europas Reisezielen ansteuert, taucht unvermittelt ein in den silberhellen Resonanzraum für die Pavarottis und Ramazottis, spürt das Erhabene sogleich. Die Glocken im Kampanile rufen die Gemeinde, an den Horizont gemeißelt, behaupten stille Säulenhallen antiker Tempel Standfestigkeit. „Die Sonne scheint heiß, und man glaubt wieder einmal an einen Gott“, notierte Goethe im September 1786.

Die Reise über die Alpen führt zu Reflexionen über die Schöpfung – heute wie damals. Da ist ein Erwachen und Entzücken. Schon in Airolo ist es voll erblüht: ein Urlaubsgefühl, süß wie die Nationalpraline Baci di Perugia. Italien, wir kommen! Benvenuti im Sehnsuchtsland der Deutschen.

„Freut euch mit mir, dass ich glücklich bin, ja, ich kann wohl sagen, ich war es nie in dem Maße“, schwärmte Goethe und war einfach mal weg. Seine „Italienische Reise“, Cicerone und Diario zugleich, krönt das Gepäck: Ist ein besserer Reisebegleiter denkbar als diese Italien-Initiation? Richtungweisend sind die Aufzeichnungen zumal. Der Apennin-Abenteurer machte sich schließlich auf die Socken, um gleich den ganzen Stiefel zu erfahren und gelangte bis Sizilien.

Schwer fällt es freilich schon, sich wieder loszureißen von den Ufern des Lago Maggiore, die wie ein Paar ungleicher Schuhe sind, wobei der eine Piemont und der andere der Lombardei gehört. Als Inkarnation mediterranen Lebensgefühls glänzt der „Lacus Verbanus“ der alten Römer mit Zitrushainen, Feigen und Oliven. Manche fesselt er alle Jahre wieder.

Robert aus Frankfurt chauffiert seine Lieben auch diesen Sommer an den See. „Cannero hat den schönsten Strand“, sagt er. Ganz nach dem Geschmack der fünfköpfigen Familie auch die Supermärkte, wo sie sich mit Öl und Wein für daheim eindecken. Und wenn nachts von Norden die Tramontana kommt, kuscheln sie sich in die Kissen – und freuen sich auf den nächsten Urlaubstag.

Verführerische Ausflugsziele liegen wie Seerosen auf dem Gewässer, durch perfekt organisierten Schiffsverkehr gut erreichbar. Als Graf Vittoriano Borromeo die Isola Bella zum Sommersitz ausbauen ließ, beflügelten ihn Assoziationen zu Dampfer und Deck. In zehn Terrassen steigt der gräfliche Garten an mit seiner betörend subtropischen Vegetation.

Keine fünfzig Kilometer südlich Mailand, Metropole der Must-haves, Pflaster der Mode, konkurrenzlos in puncto Design. Das Modejahr beginnt mit „Milano Moda Uomo“, der Fashion Week für den Herrn, hier prinzipiell einen Tick besser gekleidet als anderswo.

„Im europäischen Vergleich gibt es bei den Männern noch Nachholbedarf“, nickt Paolo Gerani, Chefdesigner von Iceberg, „doch die Frauen holen jetzt auf in Sachen Eleganz.“ Grazie mille, Paolo. Wenn man sich aber auch an der Quelle eindecken kann, ist das gar nicht schwer. Einmal ins Modeviertel um die Via Montenapoleone verirrt, und schon ist es passiert. Die Schultern mögen ein wenig hängen von der Last der feinen Einkaufstüten, aber was darin steckt, lässt die Signora später wie auf Wolken gehen.

Ganz wie im Triennale Design Museum bei der Sforza Burg: Durch die offene Architektur von Michele De Lucchi balancieren Besucher wie bei der Passerella auf einem Laufsteg. In der Galleria Vittorio Emanuele neben dem Dom in Zuckerbäckergotik flaniert dagegen der kultivierte Tourist nach Manier der Mailänder.

Die stecken zur Cena mal wieder die Köpfe zusammen wie die Jünger bei Leonardos „Abendmahl“, dinieren und diskutieren, bilden Kleingruppen und schmieden große Pläne, etwa im mondänen Savini, geliebt von Grace Kelly wie Frank Sinatra. Eine der Bühnen für den großen Auftritt für jedermann!

Turin hat gut lachen. Den olympischen Winterspielen verdankt die frühere Savoyer-Residenz beachtliche avantgardistische Bauwerke. Zuvor schon hatte Stararchitekt Renzo Piano die ehemalige Fiat-Produktionsstätte Lingotto als Treff mit Läden und Speiselokalen hergerichtet. Zum Dessert dann aber bitte ins Centro Storico: Naschkatzen-Dorado!

Chocolatiers und Konfiseure versüßen Turin nicht nur unter den Arkaden. „Dass Sie mir bloß nicht umrühren“, warnt Marité Costa, „alle drei Bestandteile müssen separat den Gaumen berühren.“ Die Chefin des legendären Caffè Cioccolateria al Bicerin serviert Trinkschokolade nach einer Rezeptur des 19. Jahrhunderts. Zuerst kommt Bitterschokolade ins Glas. Als zweite Schicht „ein starker Espresso“. Die dritte ist reine Sahne.

Sonntagmorgen: Aus der Kirche gegenüber strömen die Gläubigen in den Tempel der kleinen Kaloriensünde, schlürfen, was einst Adel und Klerus vorbehalten war. „Erst im Risorgimento wurde das ein Genuss für alle“, weiß Marité.

Von der Mole Antonelliana, dem Turmbau Turins, ist die Aussicht köstlich. Barololand! Trüffelterrain. Mit Giorgio und seinen Hunden bei Costigliole d’Asti zur Trüffelpirsch durchs Unterholz stromern, heißt auch eine Lektion im Aberglauben. „Teufelszeug, sagte die Kirche im Mittelalter dazu, doch ist das nicht pures Gold?“, knurrt der Trifulau. Danach lädt der Trüffeljäger zur Kostprobe der Knolle, der gewisse Wirkungen nachgesagt werden, auf seine Terrasse. Dazu gibt es einen prächtigen Roten.

Wer langsam zulangt, hat mehr davon. Davon sind Piemontesen überzeugt. Im Gourmetstädtchen Bra steht die Wiege der Slow-Food-Bewegung. „Geschmackssinn lässt sich schärfen“, ihr Motto. Im Zeichen der Schnecke propagiert sie die regionale Küche mit Zutaten ohne Zusatzstoffe, empfiehlt frische Produkte und respektiert den Kreislauf der Natur. Es dauert eben, bis eine Tomate reift oder ein Käse.

„Supreme Freedom“ steht auf dem Muscle-Shirt des Ziegenzüchters, der einst Elektriker war und jetzt auf einem einsamen Gehöft lebt . „Ciao, Raffaele, was treibt Sie denn so?“ „Ich erfreue mich des Lebens.“ Seinem vorzüglichen Ziegenkäse ist es anzumerken.

Venetien schwenkt Schaumwein. Inzwischen gibt es gar Frauen, die Prosecco machen. Über die Proseccostraße mit ihren Kellereien geht es im Kriechtempo: Prickelnder kann die Einstimmung aufs Dolce far niente an superlangen Adriastränden nicht sein. Und dort muss man sich dann einfach hinlegen. Allein schon ein Name wie Sabbiadoro – Goldener Sand!

Bilderbuchblau träumt das Meer in den Tag. Feriengäste haben es so schwer wie Einheimische: Sandeimerchen, Plastikkrokodil, Kühlbox und Schnorchelsachen wollen ans Gestade geschleppt sein. Als „Florida Europas“ empfand die Lagune von Lignano ein Amerikaner von Welt: Ernest Hemingway fühlte sich wie in Key West. Breiter noch werden die Strände in Bibione. Den Lido di Venezia veredeln internationale Lichtspiele. Wenn die Brad Pitts und George Clooneys zum Filmfestival kommen, geht es zu wie in Hollywood. Ganz entspannt wirkt das Gelände ohne Celebrities. Was doch so ein roter Teppich ausmacht!

Gespielt wird auch in Verona. Weniger ein Ort für Casanovas denn für wahre Treue. „It is my lady, o, it is my love“ – da buchstabiert selbst der Latin Lover das Englische, wenn er nämlich unterm berühmtesten Balkon der Theatergeschichte das Romeo-und-Julia-Kribbeln kriegt. Zum Cappuccino an die Piazza Bra: Unterm rätselhaften Blick gigantischer Pharaonenstatuen, die abends in der Arena bei „Aida“ zum Einsatz kommen – und von kompakten Kerlen von Lastern gehoben werden. Da seufzen die Zaungäste an den Tischen der Frühstücks-Bars verzückt: „So ist große Oper.“ Sie meinen das Schauspiel der Straße.

Dann Genua – die Hafenschönheit am Ligurischen Meer, die Italiens Seefahrerqualitäten huldigt. Superba, die Stolze wird Kolumbus´ Geburtstadt genannt. Fremden fällt sie nicht um den Hals. An der Piazza Banchi schlagen die Bouquinisten wortkarg ihre Stände auf. Möwen taxieren sie aus gelben Augen.

„Abbassiamo il volume, ragazzi“, seid doch ein wenig leiser, befiehlt die Lehrerin im Palast des Dogen Andrea Doria ihren Achtjährigen. Ja, man darf die Pracht, die den Beginn der genuesischen Palastarchitektur des 16.Jahrhunderts markiert, sogar anschweigen.

Mit Babybruschetta, fingerbreiter Focaccia, Lasagnewürfelchen und einem Kelch Spumante in der Bar am Palazzo Ducale lässt es sich meditieren bis in die Sternennacht.

Ist Essen nicht Ausdruck allergrößter Ehrfurcht vor dem Schöpfer? Italien geht nicht ohne krümelnden Hartkäse. „Wir Parmigiani vergöttern unsere Stadt“, sagt Chiara, die Bankerin. „Aus Parma kommt der Parmesan garantiert ohne Konservierungsstoffe, den vertragen Oma und Baby, und verwechseln Sie den bloß nicht mit Grana Padano!“

In den Mauern der Medici mag derweil Kunst mehr noch verfangen als Käse. Florenz steht für Flirt. Kokett Michelangelos David. In den Uffizien, Italiens meistbesuchtem Museum, sind sich Botticellis Beauties ihrer Reize bewusst. „Das Bewusstsein für physische und spirituelle Schönheit, die Idee von Schönheit als Tugend, kommt aus der Renaissance“, schwärmt Sarah Dunant. Die Britin hat der Arno vom Liebeskummer geheilt. Stattsich Schuhe zu kaufen, erwarb sie hier ein Apartment und schrieb einen packenden Roman. Lorenzo der Prächtige intrigiert vor krimitauglicher Kulisse.

Bedürfnislos dagegen Franz von Assisi. Kann nicht schon der Dialog mit den Tieren beflügeln? Durch Umbrien, wo sich der franziskanische Geist im Morgengrauen in den Tautropfen auf den Feldern kristallisiert, nach Rom.

Die Kapitale! Pilgerstadt für Katholiken und Kunstjünger sowie Sehnsuchtsort der Maler und Dichter. Im 19. Jahrhundert lebten die sogenannten Deutschrömer ihre Vorstellung von Italien.

Sanft verplätschert die Zeit in den marmornen Brunnen der Piazza Navona. Reihum laden Cafés zum Innehalten. Lauschen, schauen! Päpste und Gladiatoren, Glaube und Kampf haben Rom geformt. Pure Passion. Stürzt sich auch nicht täglich Puccinis Tosca von der Engelsburg, die kollektiven Bilder davon reichen, um die Tiberstadt im Licht größter Leidenschaft zu sehen.

Vatikan, Petersdom, Kolosseum, Forum Romanum haben Grelles erlebt. Den intimsten Eindruck von oben gewährt der Blick von der Höhe der Trinità dei Monti-Kirche am Ende der Spanischen Treppe, die wie eine Kaskade hinabführt zu den Droschken. Mit ihnen im Goethe-Tempo durch die Stadt!

Später Powershoppen in der Via Condotti. Im Gegensatz zu Mailand ist ganz Rom ein Catwalk. Mitten hindurch kurvt das Vespa-Volk. Das knattert auch durch Neapel. Küstenstadt mit Müll- und Mafiaproblem, dafür aber einer unvergleichlichen Küche. Neapolitaner gewinnen ihrem Chaos gar noch Positives ab. „Eine Stadt, die nie stillsteht, wo immer alles in Bewegung ist“, sagt der Maler Antonio, „uns treibt unser Herzblut.“

Die antiken Städte Pompeji und Herkulaneum mögen ausgelöscht worden sein, ihr Geist atmet. Der Ausbruch des Vesuv war in den Augen der Archäologen ein Glück. Die Asche hat jahrtausendealte Steine konserviert. Strahlendes Gegenstück die amalfitanische Küste. Der Balkon überm Mare Tirreno. Positano, hinreißendes Hafenstädtchen an tintenblauer See, gibt einen Vorgeschmack auf Sizilien, sonnensichere Insel vor der Stiefelspitze.

Manche mögen’s heiß: Es juckt sie der Auswurf der Erde. Ab auf den Ätna. Zuerst in die Kabinenbahn. Die letzte Etappe zu Fuß. Der Vulkantourist glaubt, was er hört. „Der richtet nichts an“, schwören die Einheimischen, „ein guter Vulkan“. Feinstaub? Pfeif drauf. Über scharfe Steine zu den Sternen – oder zu Empedokles. Der Philosoph aus Agrigent stürzte in den Höllenschlund.

Doch zum Beweis der Tapferkeit einen Aschenbecher aus Lava als Souvenir an der Bergstation erstehen, das geht auch. Andacht am Ätna. Brotzeit im Vulkanlokal. Am Nachbartisch rüsten sich schon wieder Gipfelstürmer für die schwarze Wüste. Dicker Anorak, feste Sohlen. Fürs Kraxeln über Glut und Asche.

„Ciao Bella und gesegnete Wiederkehr“: Warme Worte spendet die Kellnerin den Aktivurlaubern. Sie haben sich noch mal den Bauch vollgeschlagen – mit Pizza Norma, voll herrlicher Auberginen. 

(Reportage aus Thomas Cook´s Reisemagazin 1/2009)