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In Spaniens besten Weinkellern reifen nicht nur edle Tropfen. Viele sind auch markante Zeichen der Baukunst: Berühmte Baumeister legten Hand an.

 Savid Moreno zieht den Korken eines Reserva-Weins aus der Flasche: Ein banales „Plopp“ ertönt. Doch mit dem Geräusch entweicht ein zarter Kirschduft. Endlich kann der Wein atmen. 24 Monate lagerte er in Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche. Danach reifte er noch drei Jahre in der Flasche. Röst- und Gewürznoten entfalten sich, es beginnt, leicht süßlich nach Vanille zu riechen.

Dann gießt Morena die rubinrote Flüssigkeit schwungvoll in Gläser – Erinnerungen an schwere Lehmböden werden wach, Stimmungsatome fliegen durch den Raum, die Gäste lächeln verzückt.

„Ein guter Wein sollte angenehm und rund sein“, erklärt der Winzer, nachdem er sich vom Bouquet überzeugt hat. Eigentlich ist er Ingenieur. Doch seinen Beruf hat der Weinbauer mit dem markanten Schnauzbart bereits Anfang der 80er-Jahre an den Nagel gehängt – er wollte lieber die Traditionskellerei seiner Familie im Dorf Badarán weiterführen. Die Bodega von David Moreno ist ein Klassiker des Weintourismus in der spanischen Provinz Rioja. Im letzten Jahr kamen 16 000 Besucher – auch, weil ganz in der Nähe Klöster wie Yuso und Suso liegen. Dort wurden die ersten schriftlichen Belege des Baskischen und des Spanischen aus dem 11. Jahrhundert gefunden.

La Rioja ist nicht nur die „Wiege der Sprachen“, wie sich die Region rühmt, der Landstrich ist auch das Ursprungsland des spanischen Qualitätsweins. Schon im 16. Jahrhundert brannten die Winzer das Signet „Rioja“ auf die Weinschläuche für den Export. Heute ist La Rioja – ähnlich wie beim Bordeaux in Frankreich – das bekannteste Anbaugebiet Spaniens. Seine Ausnahmestellung hat es längst eingebüßt.

Andere Gebiete holten auf – und sorgen bei Weinkritikern für viel Aufsehen. Darunter zum Beispiel die schweren Roten aus Toro in Kastilien-León, die leichteren Somontano-Weine aus Aragón – oder die wunderbaren Weißen aus Albariño in Galicien.

Die spanische Weinlandschaft zeichne sich heute „durch unendliche Vielfalt aus“, schwärmt Sommelière Lavinia Neumann vom Drei-Sterne-Restaurant Amador im hessischen Langen. Es gebe Bodegas, die nach wie vor im klassischen Stil Weine ausbauen – aber „eben auch junge Wilde“, die etwa in den Höhenlagen der La Mancha moderne Spitzenweine aus Einzellagen erzeugen.

Wie sie der Laie erkennt, weiß Berta Laguna. „Nur wenn man informiert ist, wie und wo ein Wein gemacht wird, bekommt man ein Gefühl dafür“, sagt die Weinbau-Ingenieurin vom Gut Cal Celdoni in in Katalonien. Weintourismus sei deshalb „die einzige Form, die Leute zum Wein zu erziehen“.

Der deutsche Kulturtourist Ralf Erdt hat es ausprobiert – und die Rioja bereits drei Mal auf den Spuren des Weins bereist. Nun schwärmt der Lehrer aus Ostdeutschland von der „herrlichen Kombination aus Landschaft, Weinkultur und Traditionen.“ Jedesmal steuert der Connaisseur Morenos Bodega an: „Einfach ein netter Familienbetrieb – und der Wein schmeckt göttlich.“

Doch kleine Familienbetriebe sind längst nicht mehr typisch für die Region. Der Weintourismus erfüllt auch nur noch selten die Sehnsucht nach romantischen Kellern und Kerzenschein. Für den Wandel im 21. Jahrhundert steht exemplarisch das Motto der Großkellerei Marqués de Riscal in Álava: „Tradition und Avantgarde“.

Marqués de Riscal ist – 1858 gegründet – nicht nur die älteste Bodega der Rioja. Die Weinkellerei ist seit 2006 auch die futuristischste in ganz Spanien: Der kanadisch-amerikanische Stararchitekt Frank O. Gehry, der bereits das Guggenheim-Museum im 120 Kilometer entfernten Bilbao baute, entwarf hier die Ciudad del Vino. „Es sollte etwas Leidenschaftliches, Aufregendes werden“, sagt der Baumeister über seine Stadt der edlen Tropfen. „Wein ist Freude und Genuss.“

Und so entstand neben den altehrwürdigen Weinhallen ein Ufo aus Stein, Glas und Titan – gleichsam ein Manifest der Dekonstruktion und des Luxus. Schließlich gehört zu dem Bauwerk auch ein veritables Fünf-Sterne-Hotel mit Gourmetrestaurant und Spa. Doch so spektakulär die „Ciudad del Vino“ auch ist: Andere Weinbauern setzen ebenso erfolgreich auf außergewöhnliche Architektur, um Gäste anzuziehen.

Nur einige Kilometer weiter ruht auf einem Hügel, der von uralten Weinkellern durchbohrt ist, das mittelalterliche Laguardia. Hier hat der spanische Künstler Santiago Calatrava einen modernen Weintempel hingepflanzt, der so leicht und spielerisch vor dem Felspanorama der Sierra Cantábrica schwingt wie Musik oder das Bouquet eines großen Weins. Seit 2001 werden in den klinisch reinen Räumen ausschließlich Reservas gekeltert.

Aber die Konkurrenz schläft nicht: Selbst auf Mallorca und Teneriffa, im andalusischen Sherry-Dreieck oder in dem jungen Weinbaugebiet Somontano werden neue Weinrouten ausgearbeitet. Sie sollen Touristen in die Region locken – und deren Namen in die Welt tragen.

Bestes Beispiel ist Ribera del Duero in Zentralspanien. Dort eröffnete die Landesregierung von Castilla y León bereits 1999 in der riesigen Burg von Peñafiel ein modernes Museum. Den Besucher erwarten hier keine Schwerter und Ritterrüstungen, sondern alles über Rebsorten und Duftproben.

 Am Fuß des Burgbergs wurde 2008 einmal mehr die schärfste Waffe in Stellung gebracht, die der Weintourismus derzeit bietet: die Architektur. Der Brite Richard Rogers, 2007 Preisträger des Pritzker-Preises für Baukunst, entwarf für die Kooperative Protos eine Bodega für 34 Millionen Euro. Ob die Qualität der klassischen Reservas dort ebenso edel gerät, muss sich zeigen: Die ersten Flaschen des „Protos Reserva“ sind frühestens ab 2011 im Handel. Für Thomas Cook´s Reisemagazin empfiehlt Weinexpertin Lavinia Neumann zehn spanische Weine, die es heute schon im Handel gibt:

 

 

 

 

 

2007 Ossian

Bodegas y Vinedos Ossian

Schöne Frucht, Mineralität und perfekte

Holzeinbindung – der Wein gehört zu den besten ganz Spaniens, 23,50 Euro

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2007 Selecciòn de Robles

Bodega Luis Alegre, Rioja

Säurearm, aber angenehm frisch. Der Wein besitzt eine elegante Würze und ist zugleich kraftvoll, 16,90 Euro

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2007 Albariño

Lagar de Pintos, Rias Baixas

Voller Fruchtaromen mit erfrischend fein integrierter Säure, 11,80 Euro

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2003 Remelluri Reserva

Granja Nuestra Señora de Remelluri, Rioja

Eleganter Rioja mit perfekter Harmonie von Frucht und Barrique, 15,90 Euro

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2005 Viña Sastre Crianza

Bodegas Hermanos Sastre, Ribera del Duero

Wunderbar ausgeglichener Crianza mit großer Dichte und Intensität, 15,50 Euro

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2004 Gran Elias Mora

Bodegas Dos Victorias, Toro

Sehr komplex und dicht – mit dem eleganten Aroma dunkler Beeren, 33,50 Euro

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2004 Cims de Porrera

Priorat

Ein typischer Priorat: Voller Kraft – aber dennoch mit Eleganz und Finesse, 59 Euro

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2006 Finca Terrerazo

Bodega Mustiguillo, Valencia

Vollmundig dank voluminöser Tanninen, 29,80 Euro

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2006 Altos del Duratón

Bodegas y Viñedos Ribera del Duratón, Castilla y Leon

Weich und elegant mit gut eingebundenen Tanninen, 9,90 Euro

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2004 Hereus de Ribas Negre

Bodega Hereus de Ribas, Mallorca

Frisch, fruchtig und angenehm im Abgang, 9,90 Euro

 

(Reportage aus Thomas Cook´s Reisemagazin 1/2009)